GRALS-GEHEIMNIS

Das Wort steigt empor
Übersteigt die Grenze aller Wortspielerei
Eine neue Erneuerung, wir stehen ihr bevor
Und wieder tiefste Anbetung; bei manchen, Träumerei

Die Welt nun voll von Herzen
Die sich sehnen, einfach nur sehnen
Die Welt voll auch von Schmerzen
Und salzigen Tränen

Nun warum weinst du, mein Herz?
Spürst du’s nicht, wonach du dich sehnst?
Warum weinst du so, Menschenherz?
Erträgst du’s nicht, wenn du dich ausdehnst?

Das Licht soll in die Erde einbrechen
Aus dem Gefäß bricht’s: Brot, Wasser und Wein
Das Licht soll dann über die Welt brechen
Und dazu sollst du auch ein Mittler sein.

– che chidi chukwumerije.

DURCHZUG

Ich habe oft den Eindruck
Der Zug redet zu mir
Von Station zu Station
Was murmelt er?

Er summt, er grollt
Er gähnt und flüstert
Mahnt und schimpft
Neckt und tröstet

Erzählt von Vergangnem
Erkläret Aktuelles
Ein Prophet ist er auch
Er kündet alles –

Vom Mensch und von Technik
Von Einsamkeit
Gruppenseelen, Einzelgängern
Ungeteiltem Leid

Von Angst und Neugier
Und jeder Art von Menschenwesen
Von Fremdsein und Fremdschämen
Und Fremd- und Fremdes-lesen

Davon, daß die Reise
Ein Ausruhen ist
Von dem, was Du tust
Wenn Du bei Dir bist

Vom Klassenunterschied
Gesellschaftsleben
Alles hat einen Preis
Daneben.

Je mehr ich zu höre
Desto weniger versteh ich
Im Kopf
Doch seelisch, geistig

Wachse ich
Auf Erden leben ist nur Dichtung
Ausstieg, ob links ob rechts
In Fahrtrichtung.

– che chidi chukwumerije.

KERN

Fern
Ist mein Kern

Fern
Wie ein Stern

Gern
Bleibt mein Kern

Fern
Wie ein Stern.

– che chidi chukwumerije.

NEUE LIEBE

Erfahrung kommt
Will meinen Sinn für Abenteuer
Meine Lust nach Neuem
Meine Bereitwilligkeit, Rufen zu folgen
Verdrängen
Mir weg nehmen

Erfahrung hat gezeigt
Niemandem ist zu trauen
Keinem Wort, keinem Versprechen
Du musst dein Herz schützen
Unbedingt

Ich zweifle in der Nacht
Selbstgespräche…
Erfahrung sagt, das Menschenherz
Wird wieder lieben
Egal, was Erfahrung sagt
Denn dazu ist es geschaffen

So grau, diese Maitage
Grüner November, träume ich?
An Schönheit kann alles Sichtbare
Übertroffen sein, träume ich

Das Fremde fühlt sich an wie zu Hause
Eine lange Reise war eine kurze Pause
Es geht wieder nach Hause
Auch da draußen

Denn es ist mir ein Blick begegnet
Wild und angespannt atmet ein Pferd
Aufgeblasener Nase
Blickt nach Links nach Rechts
Weiß nicht wie es
Reagieren soll…
Denn plötzlich ist ihm bewusst geworden,
Ich bin gefangen.

 – Che Chidi Chukwumerije.

KÖNNEN NUR POLITIKER DIE WELT VERÄNDERN?

Da ich selten marschiere
Und mit marschiere
Da ich selten koaliere
Frage ich mich…

Da ich alles sehe und alles höre
Doch wenn ich den Mund aufmache
Über ganz andere Dinge rede, als die heißen Themen
Frage ich mich…

Von welchem Planeten komme ich?
Auf welchem Stern lebe ich?
Was hat mich anders programmiert?
Denn oft verstehe ich nicht

Wieso alle in eine bestimmte Richtung laufen
Während hier doch vor meinen Füßen
Ein andrer Pfad mich dorthin führt
Wo die neue Welt geboren wird.

– Che Chidi Chukwumerije.

IM GRUNDE GENOMMEN

Es gräbt im Garten ein Gärtner
Und dann, nach langem Graben,
Gräbt er im Grunde genommen aus
Seinem Sein und seinem Haben
Seine ewige Sehnsucht heraus.

Je mehr er gräbt, desto mehr findet er
Und immer tiefer wächst seine Sehnsucht –
Je mehr er schöpft, desto mehr verschwindet er
Im Grunde genommen in seiner Sehnsucht
Nach seinem Sein und seinem Haben.

Es begräbt sich im Garten ein Gärtner
Und so, nach langem Begraben,
Begräbt er im Grunde genommen in
Seinem Sein und seinem Haben
Seine ewige Sehnsucht.

Dann stieg er aus und ließ die Erde wieder hinein,
Gab Wasser und kümmerte sich nicht mehr groß darum –
Übergab alles der Natur, dem großen Gärtnerlein;
Die pflegte ihm, in ihrer Art, unermüdend, stumm,
Einen Baum gewurzelt in der unendlichen Sehnsucht –
Jetzt braucht er nur kommen und nehmen die Frucht:

Sein Haben und sein Sein
Und die unsterbliche Sehnsucht nach den Zwein.

– Che Chidi Chukwumerije.

PANIKATTACKEN

Dieses Herz
Hart bangend
Denn sie gucken mich doch alle
So komisch an

Die Blicke sind dunkler
Ich schwöre es

Diese Gedanken
Sie fallen mir ein, nein
Überfallen mich
Denn ich bin ja Nährboden
Fremder Gedanken –
Ich bin Dichter…

Du kannst mich nicht retten
Niemand kann, vergiß es
Liebe mich einfach
Liebe mich tief, bedingungslos, wild, hemmungslos
Ganz tabulos…

Du lügst, ich habe keine Panikattacken
Ich will nur lieben
Und geliebt werden, atemlos.

– Che Chidi Chukwumerije.

NACHT NUR

Der Abend umarmt mich
Mit tausend Gedanken
Für die ich mich bedanke ohne Vorbehalt

Die Gestalt war nur ein Vogelgedicht
Eine kurze Nachricht der jungen Nacht
Einsicht heißt das Gedicht –

Ich sage Gute Nacht, gute Nacht…
Du hast meinen Tag
Schön gemacht –

– che chidi chukwumerije.

INHALTS REICH

Ein Begriff ist eine Form –
Wenn man so denkt
Bekommt man die übergeordnete Norm
Vereinfacht und geschenkt

Sind deine Gedanken Fäden?
Sind deine Gefühle Wolken?
Treffen Worte bei Fehden
Härter wie Stein, Stahl oder Balken?

Haben Engel Schwingen
Weil sie im Gotteswillen schwingen?
Hat der Mensch keine
Weil Eigenwollen verhindert seine?

Dir ins Auge sehen heißt
In Igbo Sprache ich liebe dich
In deutscher Sicht ich achte dich
In anderer Sitte ich beanspruche Rechte über dich

Denn das Auge ist wohl allen
Das Tor ins innere Reich
Die Verbindung zum Fundamentalen –
Hier wird alles wieder gleich.

– CHE CHIDI CHUKWUMERIJE.

ANTENNE

Nicht meine eigenen Gedanken
Sind meine, sie sind fremde…
Unendlich ist die Endlichkeit
Es gibt nichts unendlicheres –

Zum Glück bin ich noch froh, trotz
Dem vielen Schreiben; ich hafte mich nicht an
Ich laß los – – Sind doch nicht meine Gedanken
Die ich denke. Denn auch ich denke

Nichts mehr.

– che chidi chukwumerije.