WAS WIR ALLES SCHON WISSEN

Das wissen wir schon
Am Ende des Tages steigt
Die Sonne…

Das wissen wir schon
Daß ein Herz kein Mund ist
Ein Mund kein Herz hat…

Das wissen wir schon
Daß unsere Liebe nur Schein ist
Wahr-schein-licht…

Denn ich liebe dich
Mal so mal so –
Das wissen wir schon…

Und wir schritten getrennt
Einen gemeinsamen Weg –
Das wissen wir jetzt…

– Che Chidi Chukwumerije.

WORTBRUCH

Manches Schweigen
Sehnt sich danach
Gebrochen zu werden

So flehte lautlos die Nacht
Atemlos, pausenlos, wortlos…
Doch blieb fern der ersehnte Einbrecher.

Nein, fern blieb er nicht
Nur lautlos, pausenlos, atemlos
Brach er sein Wort.

– Che Chidi Chukwumerije.

MORGENSTAUNEN

Nachtmantel fallen lassen
Getaut, geschmolzen
In der steigenden Wärme
Einer zögerlichen schüchternen
Perlenbesprenkelten
Morgensonne.
Voller Staunen kommt und vergeht die Dämmerung
Noch bevor sie ihre Erinnerungen niederschreiben
Kann.

– Che Chidi Chukwumerije.

ERWARTEN

Sie wurde bleich
Ich wurde weich
Ich war der Teich
In ihrem Reich –

So schwierig ist es nicht
Treu zu bleiben
Schwieriger ist es, zu warten
Bis das Richtige einbricht –

Schwierig ist warten
Lohnt sich aber

Sein Inhaber ist Erwarten
Du erwartest Dich aber
Nicht Du wartest auf Deine Zukunft
Sondern sie auf Dich.

Sie wurde bleich
Ich wurde weich
Ich war der Teich
In ihrem Reich.

– Che Chidi Chukwumerije.

HIN UND HER

Magnete, die anziehen
Stoßen ab
Sich, dich und mich
Und gegenseitig

Neugier erregt meine Neugier
Jede Annäherung bewirkt
Diese kuriose Distanzierung
Warum?

Und sind wir danach
Uns vertrauter
Oder uns fremder
Nun geworden?

– Che Chidi Chukwumerije.

WANDELN

Wie landet man
Wie strandet frau
Auf der Straße?

Ich sah ihr zu
Ihre Bahnen ziehend
Tauben füttern

Brot beißen, Saft schlürfen
Im Kreis hin und her schaukelnd
Geparkten Fahrrädern die Lenker nach Vorne richten
Sie sieht ernst aus und ist beschäftigt

Einst war sie im Kindergarten
Saß zu Frühstück
Am Elterntisch

War froh, ahnungslos froh
Machte sich keine Sorgen
Über die Zukunft
Lange her

Jetzt brennt sie eine Zigarette nieder
Eingemummt am Straßenrand
Redet mit Tauben –

Wie landet frau
Wie strandet man
Auf der Straße?

Denkt irgendwo
Irgendwer
Noch ab und zu an sie?
Und weiß nicht, wo sie – oder ihr Geist – ist?

Alles, woran wir glauben
Alles, an dem wir uns festhalten
Unsre Weltsicht, unsre Orientierung
Alles versandet in den Strand der Geschehen
Die wellengleich uns alle einholen –
Alles fällt ab, wir wandeln weiter…

Als ureigene Empfindungen begannen wir
Als ureigene Empfindungen enden wir.

– Che Chidi Chukwumerije.

SPRACHLOS

Herz reicht noch nicht aus
Zum Artikulieren

Kopf reicht noch nicht aus
Zum Empfinden

Sprachlos mag ich sein
Doch nie ohne Empfindung
Das Feuer in mir.

Sprachlos mag ich sein
Aber nie ohne Empfindung
Das Feuer in mir.

– Che Chidi Chukwumerije.

WEH

Was Dir weh tut
Tut mir leid…

Wehmut tut leid

Leidenschaft tut weh.
Weh, Mut, Leid

Leiden schafft weh
Weh. Weh.

– Che Chidi Chukwumerije.

TAUSEND EMPFINDUNGEN PRO SEKUNDE

Sie:
Wie geht’s Dir?

Ich:
Wenn ich das beschreiben könnte
Wäre ich ein König

Und der reichste
Berühmtester Schriftsteller
Der Welt

Und ein wahrer Dichter.

– Che Chidi Chukwumerije.

SIE ROLLT…

Sie rollt…
Verschollene Zeit
In wie weit
Seit gestern Abend
Verweilst du noch an meiner Seite?

Sie bleibt. Treibe ich?
Nach vorn und nach hinten, ab und zu
Bleibe ich?
Verschollene Zeit
In wie weit
Seit gestern Abend
Verweilst du noch an meiner Seite?

Eine Hexe kam zu Besuch
Ich wusste nicht weiter
Aber als ich erwuch…

Schau, so ist es nun:
Auf der anderen Seite bin ich wach.
Verheißene Zeit
In wie weit
Seit einer Ewigkeit
Verweile ich noch unterwegs zu mir?
So war es einmal…

– Che Chidi Chukwumerije.